Weiß auf schwarz: ein wirklich gutes Graustufenbild hat etwas Magisches, es ist mehr als nur das einfache Weglassen von Farbe. Die reduzierte Darstellung und Konzentation auf das Wesentliche führt oft zu einer Neuinterpretation der wahrgenommenen Realität. Auch bei dieser traditionsreichen Darstellung nutzt man bei modernen Kamerasystemen das RAW Format, da RAW Dateien für gewöhnlich eine großere Farbtiefe (16bit) unterstützen und nahezu verlustfrei alle Informationen, die der Chip bei der Aufnahme aufzeichnet, enthällt. Desweiteren bleiben die RGB Kanäle enthalten, welche bei der Schwarzweiß-Konvertierung am PC sehr von Nutzen sein können. Mit Blick auf die Belichtung läßt sich sagen: Um ein optimales digitales Negativ zu erhalten, sollte man schon bei der Aufnahme auf den größtmöglichen Tonwertumfang achten, was praxisnah bedeutet, lieber etwas unter- als überzubelichten. Sind die Lichter hell bis weiß, kann auch die beste Software keine Zeichnung mehr in die Bilddatei bringen (die einzige Ausnahme bildet hier ein DRI bzw. HDRI, wo über und unterbelichtete Bilder zu einer Datei zusammengerechnet werden).
oben: eine venezianische Maske
...drei Grundregeln zur Schulung der Wahrnehmung und Bildvorstellung:
1. Konzentriert man sich auf die wichtigste dunkle Stelle im Bild, wird man feststellen: Dass Schwarz nicht gleich Schwarz ist. Genau genommen sehen wir unterschiedlich dunkle Graustufen (Nach Ansel Adams Zonensystem die Zonen 0, I und II - X steht für reines weiß). An dieser Stelle läßt sich per EBV festlegen, wo im späteren Druck die Zone 0, also im wahrsten Sinne des Wortes schwarz gesehen wird.
2. Stellen sie sich folgende Situation vor: Auf einem weißen Bettlaken liegt ein Gegenstand aus Metall (z.B. Messer und Gabel). Dann reflektiert das polierte Metall Licht viel intensiver als der diffuse weiße Stoff, was also bedeutet, dass der Stoff eher in sehr hellen Grautönen (den Zonen VIII und IX) wiedergegeben werden sollte, und nur der Metallgegenstand wirklich weiß (Zone X) ist.
3. Legen Sie in diesem Schritt fest, welche Stelle im Bild dem mittleren Grauwert (V) entspricht. Alles darum, heller oder dunkler, definiert die Skala der Mittelwerte. Lernen Sie Tonwerte zu unterscheiden und Halbtöne zu differenzieren, um diese zu einer spannungsvollen Komposition zu verdichten.

Die Tonwerte eines Motivs wurden schon im analogen Zeitalter von oben genanntem Ansel Adams in das Zonensystem unterteilt (hier spricht man auch noch von Graustufen). Es besteht aus 11 Stufen, wobei X für reines Weiß und 0 für Schwarz steht. Alle anderen Werte (also I,II,III,IV,V,VI,VII,VIII,IX) definieren die Graustufen / Tonwerte dazwischen. Die Zonenmessmethode läßt sich nicht genau auf die digitale Fotografie übertragen, aber die Kenntnisse der Zonenmessmethode ermöglichen dem Fotografen, ein Motiv bewusster zu sehen und eine Bildvorstellung zu entwickeln, auf deren Grundlage die Tonwerte in Graustufen übersetzt werden können. Vor allem in der späteren Bildbearbeitung hilft die gewonnene Bildvorstellung, im Land der unendlichen digitalen Möglichkeiten eine Linie zu finden.

Zu den einzelnen Möglichkeiten der digitalen S/W Bildbearbeitung komme ich später noch.